Cotton Paper, Oil Pastel, Gouache, Pigment, Acrylemulsion, ≈ 123×102 cm Xerographie einer Photographie aus der Reihe 'Rosy Beyelschmidt - Liverpool, April 1992' [stone tomb / Mates Condom Packs], 84×119 cm
Cotton Paper, Oil Pastel, Gouache, Pigment, Acrylemulsion, ≈ 123×102 cm
Xerographie einer Photographie aus der Reihe 'Rosy Beyelschmidt - Liverpool, April 1992' [stone tomb / Mates Condom Packs], 84×119 cm
Zwei Arbeiten begegnen einander über die Diagonale des Raumes hinweg – wie Fragmente einer Erinnerung, die sich weder berühren noch voneinander lösen können. Zwischen ihnen öffnet sich ein unsichtbarer Resonanzraum, in dem Schwebezustand und Schwere, Gegenwart und Nachhall ineinander übergehen.
Auf dem tiefschwarzen Papier erscheint ein einzelner Fuß. Er ruht, stützt oder drückt sich gegen eine wolkenartige Form, die ebenso als Asteroid, Insel oder flüchtiger Boden gelesen werden kann. Der Halt bleibt ungewiss. Die Figur scheint an der Schwelle zwischen Fallen und Schweben zu verharren – „standing in the doorway of cloud nine“. Dass das Papier lediglich von Magneten gehalten wird, verstärkt den Eindruck einer provisorischen Existenz: als könnte sich das Bild jederzeit von der Wand lösen und selbst in den Raum gleiten.
Die gegenüberliegende Arbeit zeigt die Xerographie einer Fotografie, aufgenommen im April 1992 auf einem Friedhof in Liverpool. Ein steinernes Grabmal ist von einer Vielzahl „Mates Condom Packs“ umgeben – Relikte einer Geste, deren Bedeutung zwischen Fürsorge, Protest, Erinnerung und Abwesenheit oszilliert. Was einst Schutz versprach, ist hier selbst zum Überbleibsel geworden. Die Verpackungen lagern wie stille Spuren eines Lebens, das sich dem Zugriff entzogen hat.
Gemeinsam entfalten die beiden Arbeiten eine leise Meditation über Vergänglichkeit und das Werden. Der Körper erscheint nur noch in Form eines Fußes, die Menschen am Grab sind längst verschwunden; geblieben sind Zeichen ihrer Berührung. Zwischen Wolke und Grabstein, Aufbruch und Endlichkeit entsteht ein Zustand des Dazwischen – ein Ort, an dem Erinnerungen nicht festgehalten, sondern immer wieder neu hervorgebracht werden. „Standing in the doorway of cloud nine“ beschreibt keinen Zustand des Ankommens, sondern den flüchtigen Moment an einer Schwelle: zwischen Nähe und Verlust, zwischen Erde und Himmel, zwischen dem, was war, und dem, was noch nachklingt.