ROSY BEYELSCHMIDT


Rosy Beyelschmidt – Copyporträts

Kunst aus dem Kopierer, dies wird heute immer noch als exotisch betrachtet. Zum einen sicherlich deshalb, weil das Fotokopieren für jedermann eine alltägliche Handlung ist und der Vorgang selbst als unkünstlerisch gilt. Zum anderen, da sich mit dieser Technik weder Maler noch Zeichner noch Photographen identifizieren können. Kurz, es läßt sich in gängige Kategorien nicht einordnen. Aber werden nicht auch täglich millionenfach Bilder geknipst, entstehen nicht auch auf dem Gebiet der Malerei, Zeichnung und Druckgraphik ständig ungezählte Bilder, deren Qualifikation als Kunst fragwürdig ist?

Schließlich hat auch die Arbeit mit dem Fotokopierer bereits seine kunsthistorischen Wurzeln in der kameralosen Photographie, den Photogrammen und Gelatinesilberexperimenten und verweist auf künftige Entwicklungen, wie die elektronische Photographie, deren Bilder mittels Computer aus dem Fotokopierer kommen. Das im Printer hergestellte Bild wird uns in naher Zukunft bereits vertraut sein.

Auch das Copy-Bild ist, wie die Photographie, ein Lichtbild, ein Abbild des Hell-Dunkels der aufgelegten Vorlage. Ihre eigentümliche Ästhetik liegt einerseits in der Körnigkeit des Bildes, andererseits in der nicht vorhandenen Tiefenschärfe und der Notwendigkeit, den Bildgegenstand anzupressen, um Schärfe zu erzielen. Das Problem, Dreidimensionalität in die Bildebene zu projizieren, stellt sich hier in besonderer Schärfe und läßt sich nur durch Verzerrungen, Kontraste und starkes Hell-Dunkel erreichen. Die Technik fordert bereits vor der Entstehung des Bildes Entscheidungen zugunsten des Ausschnitthaften, des herausgehobenen Details.

Rosy Beyelschmidt nutzt diese Eigenarten und Beschränkungen des Copy-Bildes sehr gezielt, arbeitet sie durch Überzeichnungen im nachhinein sogar noch weiter heraus. Es ist immer ihr eigenes Gesicht, das ihre Bilder zeigen, doch ist diese Identität in der äußeren Physiognomie kaum mehr wahrnehmbar. Die Fotokopie, der Inbegriff des „Abklatsches“ der Vorlage, wird bei ihr zum Mittel der Darstellung innerer Zustände, psychischer Verletzungen und Empfindlichkeiten. Die Gesichter sind nach innen gekehrt, scheinen in dem sie umfassenden Dunkel eingeschlossen. Sie entziehen sich dem Betrachter und verbleiben eingeflochten in das sie umgebende, sie akzentuierende und überlagernde Liniengeflecht der Überzeichnungen.

Mitunter ist die Fotokopie nur ein Zwischenstadium, wird photograhiert, um das Bild so eine erneute Metamorphose erfahren zu lassen. Diese Photos verraten nur noch wenig von ihrem Entstehungsprozess und belegen damit dessen Charakter als Mittel, als lediglich notwendiges Verfahren zur Selbstdarstellung.

Dr. Reinhold Mißelbeck
Leiter Photo-/Videosammlung
Museum Ludwig, Köln • 1987